Im 1. Halbjahr 2006 wurden 2300 Knospe-Kälber abgesetzt, das entspricht einer Zunahme gegen-über der gleichen Zeitspanne im Vorjahr von 12%. Mit Fr. 14.95/kg SG (Vorjahr: Fr.13.05) wurde ein aus-serordentlich hoher Durchschnittspreis, wie er sonst eher für die 2. Jahreshälfte mit knappem Angebot üblich ist, erreicht. Es ist anzunehmen, dass ein Teil der Bio-Kälber in andere Label-Programme geliefert wurde, weil dort ähnlich gute Preise bezahlt wurden. Im Rahmen einer einmaligen Überschuss-Aktion wur-den anfangs Juni die Schlachtkörper von über 100 Bio-Kälbern bei Preisen von Fr. 12.50 kg SG tief gefro-ren und eingelagert, um den Markt zu entlasten und die Preise zu halten. Das Fleisch dieser Tiere findet vorwiegend in der Gastronomie Verwendung. Beim Bankvieh hat der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 11% zugenommen. Vor allem Rinder konnten deutlich mehr in Bio-Kanäle abgesetzt werden, während die Anzahl verkaufter Och-sen/Muni zurückgegangen ist. Der durchschnittliche T3-Preis lag bei den Rindern (Fr. 8.55/kg SG) und bei den Ochsen/Muni (Fr.8.75/kg SG) knapp 30 Rappen höher als im Vorjahr. Ausschliesslich Knospe-Tiere werden auch in das Bio Weide Beef-Programm der Migros geliefert, allerdings war hier der Absatz gegen-über dem Vorjahr leicht rückläufig. Im Bio Natura Beef- Programm von Coop konnten leicht mehr Tiere abgesetzt werden als im Vorjahr. Bedauerlich ist, dass nach wie vor viele schöne Rinder und Ochsen mit Mastrassennachweis und bester CH-Taxierung in Nicht-Bio-Labelprogramme abwandern. Für Abnehmer, die Wert auf hervorragendes Bio-Rindfleisch legen, besteht also noch ausreichend Potential. Seit zwei Jahren ist das Angebot an Bio-Kühen knapp, das war auch im 1. Halbjahr 2006 nicht anders: Insgesamt wurden 2500 Biokühe verkauft, 27 % mehr als im Vorjahr, aber immer noch deutlich weniger als in den Jahren 2003 und 2004. Anfänglich waren die Verarbeiter nicht bereit, mehr als Fr.7.-/kg SG für T3-Kühe zu bezahlen, erst im 2. Quartal stabilisierte sich der Preis auf dem hohen Niveau von Fr. 7.40/kg SG. Der Anteil von Knospe-Kühen, die nicht in Bio-Kanäle verkauft werden, ist noch immer beträchtlich. Im Herbst 2005 wurde mit den Abnehmern ein neuer Mindestpreis von Fr. 5.50/kg SG (vorher Fr.6.40) für Schlachtschweine vereinbart. Wegen der permanenten Überproduktion verharrte der Bio-Schlachtschweinepreis im 1. Halbjahr 2006 lange Zeit auf diesem Mindestniveau. Erst anfangs Juni zu Beginn der Grillsaison konnte der Preis vorübergehend auf Fr. 6.00/kg SG angehoben werden. Schliesslich resultierte für das 1. Halbjahr 2006 ein Durchschnittspreis von Fr. 5.60/kg SG (2005: Fr. 6.40). Ein Teil des Mindererlöses konnten die Mäster dank deutlich billigeren Ferkeln an die Züchter weitergeben. Der tiefe Preis bewirkte immerhin, dass die Nachfrage nach Bioschweinefleisch nicht weiterhin zurückging und der Absatz von Bio-Schlachtschweinen um 7% auf 7'700 Tiere gesteigert werden konnte. Im Gegensatz zum Vorjahr mussten nur wenige Bio-Schweine als Überschüsse zu CNP- oder QM-Preisen vermarktet werden. Ein Problem bildet nach wie vor der desolate Zustand des Marktes für QM-Schweine. Die Preise für QM-Schweine la-gen regelmässig unter Fr. 4.00/kg SG und damit mindestens Fr. 1.50/kg SG unter dem Bio-Preis. Bei die-sen grossen Preisunterschieden zwischen QM-Fleisch und Biofleisch von teilweise mehr als 30% in den Verkaufslokalen ist es schon schwierig genug, die Nachfrage nach Biofleisch zu halten, geschweige denn zu steigern. Der Grossteil der Bio-Lämmer wurde auch im 1. Halbjahr 2006 für Coop geschlachtet. Eine kon-tinuierliche Belieferung mit wöchentlich 150 bis 200 Lämmern konnte jederzeit sichergestellt werden. Im 1. Halbjahr wurden insgesamt 4500 Bio-Schlachtlämmer verkauft, 2% weniger als im Vorjahr. Neue Ab-satzmöglichkeiten ergaben sich keine. Obwohl der Durchschnittpreis (Fr. 11.65/kg SG) gegenüber dem Vorjahr (Fr.12.15) weiter gesunken ist, bleibt Bio-Lammfleisch ein teures Produkt und die Nachfrage be-scheiden. Vor allem die Vorderviertel der Schlachtkörper können nur schlecht verkauft werden.
Coop als wichtigster Abnehmer von Bio-Schlachtvieh und Verkäufer von Knospe-Fleisch kann ebenfalls eine positive Entwicklung für das 1. Halbjahr aufweisen: Trotz geringerer Aktionstätigkeit gegenüber dem Vorjahr konnte, über das ganze Bio-Fleischsortiment (inkl. Wurst- und Charcuteriewaren) gesehen, ein Mehrabsatz von 1% erreicht werden. Beim Frischfleisch allein sind es 7%. Bei den gewerblichen Metzge-reien und Verarbeitern dürfte der Absatz von Biofleisch ebenfalls leicht zugenommen haben, hier liegen aber noch keine detaillierten Zahlen vor. Die nächsten Monate werden für den Schlachtviehmarkt generell und für den beschränkten Bio-Markt im besonderen Mass zu einer schwierigen Phase: Dann, wenn die Grillsaison definitiv zu Ende ist, die Wild-saison und die Herbstferien beginnen, wenn die Rinder, Schafe und gelegentlich auch ein paar zusätzliche Schweine von den Alpen kommen, sind erfahrungsgemäss Turbulenzen zu erwarten. Die Kälbermäster werden die Phase problemlos überstehen. Ihr Angebot ist aus saisonalen Gründen eher knapp. Es besteht einzig die Gefahr, dass wegen der zu erwartenden hohen Kälberpreise die Nachfrage nach Bio-Kalbfleisch allzu stark „abgewürgt“ wird, was sich dann anfangs nächstes Jahr negativ auswirken würde. Beim Bankvieh ist eine ausgeglichen Marksituation wahrscheinlich, vor allem, weil hier auch genügend Spielraum bei der Festlegung des Schlachtgewichtes und –zeitpunktes besteht. Die Tatsache, dass Coop neben dem Bio Natura Beef kein Bio-Rindfleisch mehr anbietet und Bio-Rinder nur noch für ihre Gastrobe-triebe schlachtet, wird die Absatzmöglichkeiten in Zukunft noch weiter einschränken. Beim Bio Weide Beef-Programm rechnen die Verantwortlichen im 2. Halbjahr mit zunehmendem Absatz. Die SVAMH hat beim Natura Beef den Zuschlag für Knospe-Tiere für das 2. Halbjahr von Fr. 80.- auf Fr. 40.- pro Tier hal-biert. Viele Bio-Mutterkuhhalter machen sich jetzt Gedanken, ob bei diesen minimalen Zuschlägen, die in keiner Art die Produktionsmehrkosten zu decken vermögen, eine Vermarktung ihrer Bio-Tiere unter der Knospe noch Sinn macht. Die Nachfrage nach Bio-Kühen richtet sich schon seit geraumer Zeit nach dem Angebot. Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Marktsituation in den nächsten Monaten grundlegend verändert. Vor einiger schwierigen Phase stehen die Schweinemäster: Für eine reibungslose Vermarktung aller Bio-Schlachtschweine müsste die Nachfrage steigen, was von Mitte August bis Mitte Oktober erfahrungsge-mäss unwahrscheinlich ist. Der Preis wird sich wohl für längere Zeit auf dem Mindestniveau von Fr. 5.50 festsetzen. Vor allem Mäster ohne verbindliche Abnahme- und Preisgarantien dürften bei der Vermarktung ihrer Tiere in Bio-Kanäle Schwierigkeiten bekommen. Das Angebot an Bio-Lämmern ist im Herbst jeweils besonders gross. Solange keine innovativen Bio-Produkte zur Verwertung des Lamm-Vorderviertels lanciert werden können, bleiben die Absatzmöglichkei-ten beschränkt. Wie sich der Preis für Lämmer weiterentwickelt ist ungewiss.
Basel, August 06 Cyril Nietlispach
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